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24.10.2007 17:34 (1342 x gelesen)

Unfall I

Die Mutter geht mit ihrem 2-jährigen Kind auf dem Gehweg. An einem dort geparkten Lieferwagen rennt das Kind plötzlich vorbei und dann auf die Fahrbahn. Die Mutter rennt hinterher, um das Kind zu halten. Beide werden von einem PKW angefahren und schwer verletzt.

Sie verlangen Schadenersatz. Der PKW-Fahrer ist der Auffassung, Mutter und Kind seien an dem Unfall jedenfalls mitschuldig, weil sie unvermittelt hinter einem Lieferwagen auf die Fahrbahn gerannt kamen.

Das Gericht widerspricht dieser Auffassung. Ein 2-jähriges Kind kann nicht mitschuldig an einem Unfall sein. Von der Mutter kann nicht verlangt werden, dass sie das Kind ständig an der Hand führt, wenn sie mit ihm auf einem Bürgersteig geht. Das wird dem notwendigen Bewegungsdrang eines 2-jährigen nicht gerechnet und ist deshalb der Mutter gegenüber nicht zumutbar. Eine Verpflichtung hierzu besteht allerdings in besonderen Gefahrensituationen, etwa beim Überqueren der Straße, an Ausfahrten oder wenn mit einem Losrennen des Kindes gerechnet werden muss.

Auch dass die Mutter dem Kind auf die Straße hinterherlief, ohne auf den Verkehr zu achten, macht sie an dem Unfall nicht mitschuldig. Ihr Verhalten war nicht willensgesteuert, weil sie reflexartig losgerannt ist, um das Leben ihres Kindes zu retten.


Oberlandesgericht Saarbrücken 18.07.2006 – 4 U 239/05


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