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10.10.2007 17:13 (1317 x gelesen)

Die Erbtante



Als die alte Dame starb, hinterließ sie einen Bruder und einen Neffen. Zuvor wurde sie ab dem 28. August wegen Hirnschlag und Herzinfarkt im Krankenhaus behandelt, dann am 12. September in eine Rehaklinik verlegt.

Das Amtsgericht hatte am 19. September ihre Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung angeordnet. Am 12. September, also noch im Krankenhaus, hatte die alte Dame ihrem Neffen eine Generalvollmacht erteilt. Am 28. September, in der Rehaklinik, schrieb sie ein Testament und bestimmte ihn zum Alleinerben.

Der übergangene Bruder behauptet jetzt, die Frau sei wegen Krankheit testierunfähig gewesen, das Testament deshalb nichtig.

Testierunfähig ist, wer z. B. infolge Krankheit nicht in der Lage ist, die Bedeutung seines Handels zu erkennen und deshalb sein Verhalten nicht mehr steuern kann. Nicht jede Krankheit oder Geistesschwäche hat Testierunfähigkeit zur Folge. Diese liegt aber dann vor, wenn eine Person nicht mehr fähig ist, die Bedeutung eines Testamentes zu erfassen.

Folge: Auch ein schwer kranker Mensch kann noch wirksam ein Testament aufsetzen.

Die Testierunfähigkeit muss von dem bewiesen werden, der sich auf die Ungültigkeit des Testamentes beruft. Nur dann, wenn der Erblasser üblicherweise testierunfähig war, muss der eingesetzte Erbe beweisen, dass das Testament in einem „lichten Moment“ abgefasst wurde. Im vorliegenden Fall ging das Gericht von der Gültigkeit des Testamentes aus.


Bayrisches Oberstes Landesgericht vom 24.03.2004 (1 ZBR 107/04)


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